Es gibt da noch das eine oder andere Rad, über das ich schon längst hätte hier berichten können. Aber eins nach dem anderen, chronologisch geordnet geht es heute los mit einem kleinen Nebenprojekt während der jahrelangen BER-mäßigen Planungs- und Aufbauphase des Nachfolgers meines Scott Spark. Darf ich vorstellen: Mein Inspired Skye Trialbike.

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Inspired Skye by crazyeddie customs

Geschichte

Die Stufen des Wahnsinns durchschreitet man als Biker aus Sicht von Außenstehenden für gewöhnlich mit jedem neuen Gefährt, das einer speziellen Nische zuzuordnen ist. Dabei kann niemand bestreiten, dass es vernünftige Gründe gibt um zum Beispiel ein Kinder-Lasten-Fat-Ebike-Tandem aufzubauen. Ich konnte mich in dieser Hinsicht bisher einigermaßen zurückhalten, was mehr den mangelnden finanziellen Mitteln während Schule, Zivildienst und Studium zuzuschreiben war als der Vernunft.

Nach 15 Jahren – unfassbar, wie die Zeit vergeht – in denen ich mich regelmäßig sagen hörte, dass ich mir unbedingt mal ein Trialbike aufbauen sollte, hatte die mediale Dauerpräsenz von Danny MacAskill das Fass zum Überlaufen gebracht. Das Ergebnis präsentiere ich nachfolgend, ein kurzes Fazit kann ich aber an dieser Stelle schon ziehen: Das Material der Profis führt nicht zu deren Fähigkeiten 😉

Zielsetzung

Ein Inspired Skye sollte es werden, die Komponentenwahl war auch recht schnell geklärt: Einmal quer durch das Angebot von Hope, um deren Teile ich bei aller Wertschätzung der hübschen Fräsarbeiten bisher aus Gewichtsgründen an meinen Racebikes eher einen Bogen gemacht hatte. Dennoch war es klar, dass ein zweistelliges Gewicht nicht akzeptiert werden kann.

Rahmen & Fahrwerk

Mangels Federung fällt das Rahmenset technisch eher unspektakulär aus, was es durch die Farbe aber wieder wettmacht. Während die Trialszene ansonsten eher konservativ zu sein scheint, sind Steckachsen und ausschließlich Scheibenbremsaufnahmen am Inspired in diesem Sektor hochmodern. Nachdem dieser Beitrag schon vor zwei Jahren hätte erscheinen können, gibt es mittlerweile zwei Nachfolgemodelle, die mit einem Tapered-Steuerrohr weiter zum aktuellen Stand der MTB-Technik aufschließen. Eine Besonderheit im Vergleich zu gewöhnlichen MTB-Rahmen ist die Bremsaufnahme am Rahmen, die maßgleich zu einer üblichen IS2000-Gabelaufnahme ist. So ist mit einem Langarmbremssattel auch hinten eine 180er Scheibe adapterlos fahrbar. Nachgerüstet ist das aktuelle Schaltauge mit Direktaufnahme für den Kettenspanner – eine schöne Lösung, die mir schon beim ersten Zusammenbau vorschwebte. Auch hier punktet die letzte Inkarnation des Rahmens mit einer neuen Direktaufnahme an der Kettenstrebe in Höhe des Bolzens des Kettenspanners, was die ganze Sache steifer macht, Gewicht spart und schön aussieht. Dafür sind die neuen Rahmen nicht orange.

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Rahmendetail

Lenkzone

Da es der Hope-Lenker nie in die Serienfertigung geschafft hat, komplettiert ein Trialtech-Carbonlenker den Steuersatz, Vorbau, die Spacer, Griffe und Endkappen aus Barnoldswick. Einzig die Aheadkappe kommt von Inspired und erlaubt im Zusammenspiel mit dem Innengewinde des Gabelschafts die Durchführung der vorderen Bremsleitung ohne Verrenkungen. Zunächst hatte ich auch der Vollständigkeit halber einen Trickstuff Tr!xer eingeplant, der aber einfach nicht zum Funktionieren zu bewegen war. Deswegen ist jetzt die hintere Bremsleitung lang genug, um den Lenker mehr als einmal komplett zu drehen. Das werde ich zwar in diesem Leben nicht mehr brauchen, aber es geht ja auch ums Prinzip. Titanschraubentuning am Vorbau ist Pflicht, die Alu-Muttern in den Lenkerstopfen sind die Kür.

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Altes Bild, da keine Veränderung: Cockpit

Sitzzone

Eigentlich unnötig, macht sich der Sattel an einem Trialbike dennoch ganz gut, wenn man wie ich nach fünf Hopsern auf dem Hinterrad schon hinsetzen und verschnaufen muss. Sattelklemme und die ziemlich kurz abgesägte Stütze sind selbstverständlich von Hope, letztere mit den obligatorischen schwarzen Titanschrauben verfeinert. Der Sattel ist mehr oder weniger aus der Not heraus „nur“ ein Selle Italia SLR TT mit Titangestell, weil die Stütze keine dicken Carbongestelle erlaubt. Als kleine Besonderheit ist der Klemmkopf verkehrt herum montiert, so dass der Sattel noch weiter nach unten platziert ist.

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Sitzplatz

Antrieb

Hier gab es die größte Veränderung. Im ersten Aufbau mit einer schwarz eloxierten XTR FC-M980, erst XTR- und später Extralite-Kettenblatt samt Inspired-Bashguard und blauen Carbocage-Schrauben versehen, konnte ich Ende November 2015 endlich die Hope-Ausstattung mit der Kurbel komplettieren. Das Innenlager musste natürlich wegen der dickeren Welle getauscht werden, aber wie du dir schon denken kannst von „Hope, blau“ auf „Hope, blau“. Besonderes Schmankerl ist aber in der neuen Variante das Inspired-Ketteblatt für Direktmontage mit integriertem Bashguard. Über eine 11fach DuraAce CN-HG9000 wird die Kraft auf ein Alu-Ritzel von Superstar Components übertragen. Die Pedale, Farbe und Hersteller keine Überraschung, wurden zwischenzeitlich mit Titanpins ausgestattet.

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Kurbel von vorne…
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… und von der Rückseite

Schaltung

Eine Schaltung gibt es hier natürlich nicht, aber du merkst schon dass hier noch einige Fahrräder folgen werden und ich eine Grundstruktur beibehalten will. Ich stecke den Kettenspanner von Trialtech mal in diese Ecke, damit es wenigstens nicht so leer ist. Die Schaltröllchen – ohne Worte. Schraubentuning ist obligatorisch, je nach Anforderung in Alu oder Titan.

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Trialtech-Kettenspanner mit Hope-Röllchen

Bremsen

Verzögert wird mit gebrauchten und etwas undichten Formula Oro K18 von 2008. Nein, kurzer Test ob noch alle wach sind – natürlich kommen auch die Bremsen von Hope. Um sie adapterlos zu montieren, habe ich auf die TrialZone mit IS2000-Langarm-Sätteln zurückgegriffen. Die Kolben- und Ausgleichsbehälterdeckel sind selbstverständlich blau, die Schrauben schwarz und belastungsgerecht aus Titan oder Alu. Die Bremsleitungen sind original, aber die Anschlüsse von Superstar Components und aus Alu. Die 180er Scheiben vorne und hinten sind die speziellen Trial-Scheiben von Hope, die vom Design her keine Verwandtschaft mit den üblichen MTB-Discs der Engländer haben.

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Bremshebel
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Vorderbremse
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Hinterbremse

Laufräder

Schwalbe TableTop mit Eclipse-Schläuchen auf Inspired-Felgen mit Hope-Naben lautet die Kurzfassung. Die 12x135mm-Singlespeed-Nabe gibt es in dieser Achskonfiguration so nicht ab Werk zu kaufen, aber die Achse gab es ja quasi zum Rahmen dazu. Speichen und Nippel kommen von Sapim in Form von CX-Ray und Polyax Alu. Nachdem erste Tubeless-Versuche mit zwei Lagen Gorillatape als Felgenband mitten in der Nacht mit lautem Plopp an der Felgenform scheiterten, rüstete ich auf ein No-Name-Teil in passender Breite und Eclipse-Schläuche um. Schon seit Vorstellung heiß diskutiert, ist meine Meinung auch geteilt. Den Schlauch anzupumpen vor der Montage erfordert Fingerspitzengefühl, da er sich zur Anpassung an das Reifenvolumen plastisch verformen muss. Diesen Punkt darf man keinesfalls überschreiten, ohne dass er in einem fertig montierten Reifen steckt. Vermutlich wegen der kurzzeitig entstanden Blase an einer Stelle verlor der vordere Schlauch deutlich schneller die Luft als der hintere. Die Kombination aus häufigem Nachpumpen und französischen Ventil in Autoventilbohrung führte irgendwann zur unfreiwilligen Trennung von Schlauch und Ventil. Danach habe ich mir diese kleinen Kunststoffadapter besorgt, die den Bohrungsdurchmesser reduzieren.

 

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Hinterradnabe

Zubehör

Bis auf einen Kettenstrebenschutz ist nichts weiter notwendig. Weder Flaschenhalter noch Elektronik werden benötigt.

Farbgestaltung

Eigentlich sollte der Rahmen der alleinige Farbtupfer werden, aber bei Erhalt fiel mir die kleine blaue schottische Flagge neben dem Schriftzug ins Auge. Da einerseits ein Abkleben einer Majestätsbeleidigung an Danny gleichgekommen wäre und mir andererseits ein einzelner Farbklecks schlaflose Nächte beschert hätte, musste eine salomonische Lösung her – alles von Hope soweit möglich in Blau kaufen! Nicht dass Hope-Naben, -Steuersatz und -Sattelklemme in schwarz im Rahmenset bereits enthalten waren, aber was soll´s.

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Die schottische Flagge

Das übliche Entfärbeprozedere hielt sich einigermaßen in Grenzen: Bremshebeltonnen aus Messing gegen Alu ersetzen, Kupferdichtscheiben und Achsendkappen mit Plastidip überpinseln, Ventile unter Schrumpfschlauch verstecken. Eloxiert wurde nur die zunächst verbaute XTR-Kurbel, Lackierarbeiten waren keine nötig.

Probleme & Lösungen

Mal abgesehen vom Tr!xer, der sich nicht drehte, waren nur die Tubeless-Montage bzw. später die Schläuche nicht ganz unproblematisch. Der Rest des Aufbaus war so wie man sich das wünscht.

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Da waren die Laufräder noch schlauchlos

Teileliste

Kein Bike ohne Teileliste, das gilt natürlich auch für dieses Projekt. Die Tabelle mit allen Einzelgewichten und allen technischen Daten findest du hier.

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Die Waage bleibt unter 10kg stehen

Fazit

Abgesehen von der „Sendung mit der Maus“-Gedächtnisfarbgebung wird wohl noch mehr polarisieren, dass dieses Bike erheblich viel teurer ist als selbst das in freier Wildbahn schon selten zu sehende Inspired Skye Komplettbike, sicherlich auf Grund des Leichtbaus nicht in allerletzter Konsequenz auf harten Streettrial-Einsatz ausgelegt ist und – das ist wohl die größte Sünde – zudem bis auf ein paar unbeholfene Hüpfer nicht wirklich im angedachten Lebensraum benutzt wird. Mich mit einem noch älteren Herrn der in seinen Sportwagen kaum noch ohne fremde Hilfe einsteigen kann zu vergleichen, ist vermutlich angemessen. Auf der anderen Seite: YOLO, Alter! Vielleicht lerne ich ja noch ein paar Basics, das würde mir in zehn Jahren sicherlich noch viel schwerer fallen. Falls jemand das Rad in artgerechte Haltung überführen möchte, lasse ich aber eventuell mit mir reden.

tl;dr

Sub10-Trialbike, bestückt mit allem was es von Hope so gibt, wenn möglich in blau. Wird zwar kaum bewegt, erfreut aber auch beim Betrachten.

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