Nach meiner harschen Kritik an der Software-Version 6.1 in meinem ersten Test wird es Zeit, die vor einiger Zeit veröffentlichte Version 7.0 genauso kritisch unter die Lupe zu nehmen – oder es zumindest zu versuchen. Gleichzeitig möchte ich neben Langzeiterfahrungen mit der bisherigen Hardware auch meine Einschätzung zum aktualisierten Rollentrainer der jetzt erhältlichen 2014er Variante mit Euch teilen.

Hardware: Langzeiterfahrungen

Die Bremseinheit bremst unbeirrt, die Elastogelrolle zeigt keinen Abrieb. Mein positiver erster Eindruck hat sich hier voll bestätigt. Nur der simple Mechanismus, der die Bremseinheit am Rahmen abstützt, zeigt Abnutzungserscheinungen und sorgte so von jetzt auf nun für ein heftiges Klappern:

Verschleiß Bremsenabsützung

Die Gummikappe wieder so weit herunterzuschrauben, dass die Gewindestange nicht direkt am Rahmen anliegt, reichte aber zum Abstellen der Geräusche aus.

Der Plastikgurt von Sigma ist nicht mehr auf dem Stand der Technik und nur mäßig komfortabel zu tragen. Deswegen bin ich auf einen Polar H2 Hybrid Brustgurt umgestiegen, der den RealPower mit dem analogen 5kHz-Signal versorgt und gleichzeitig mit dem Polar W.I.N.D. Protokoll meinen CS600 anfunkt. So kann ich meine Einheiten auch auf dem Polar aufnehmen und muss sie nicht händisch in den Polar Trainingskalender eintragen (jaja, die Bequemlichkeit).

Gelegentlich hatte ich Probleme während einer Trainingseinheit in Form von plötzlich ausfallendem Widerstand – dies sollte von Elite generell in der internen Steuerung der Bremse verbessert werden, da der Tritt ins Leere unangenehm bis gefährlich ist. Als Übeltäter konnte ich zwei unterschiedliche Ursachen ausfindig machen: Zum einen ist die Verbindung durchaus anfällig für Funkstörungen. Dies sieht man am Flackern der LED des Dongles, während die Trainingszeit weiterläuft. In meinem Fall genügte es, das Handy auf die andere Seite des Laptops weg vom Dongle zu legen und es lief wieder. Zum anderen können (auch getrocknete) Schweißtropfen auf der Lenkereinheit unkontrollierte Steuerbefehle verursachen, was zum Beispiel ein ständiges Stoppen und Starten der Einheit zur Folge hat. Man erkennt das an der Trainingszeitanzeige, die dann ebenfalls stoppt, und kann es leicht durch Abwischen der Lenkereinheit beheben. Ich habe mittlerweile den Laptop in Griffweite stehen und nutze die Lenkereinheit gar nicht mehr, da die Tasten völlig unreproduzierbar reagieren, sobald man verschwitzte Hände oder Handschuhe hat, und die Bedienung nicht auf die Lenkereinheit hin optimiert ist.

Im ersten Test habe ich eben noch einen Absatz verändert, der nicht ganz korrekt war: Elite verwendet das ANT-Format ohne Plus, kocht also ein eigenes herstellerspezifisches Süppchen. Tacx sendet die Daten der Rolle ebenfalls mit einem eigenen ANT-Format, benutzt aber beim Brustgurt den offenen ANT+-Standard. Sobald die Macher von ANT+ sich auf ein generelles Format einigen können, in dem Rollentrainer ihre Daten übertragen und angesteuert werden, könnte auch hier eine herstellerübergreifende Kompatibilität entstehen.

Hardware: Ausblick auf 2014

Einen Schritt in diese Richtung geht Elite mit der 2014er Variante des RealPower Wireless ANT, wie das Gerät nun mit vollem Namen heißt. Herzfrequenzdaten werden nun auch hier über das gängige ANT+ Protokoll empfangen – und weil das so gängig ist, liefert man auch gleich gar keinen Pulsgurt mehr mit. Der Trittfrequenzsensor entfällt ebenfalls ersatzlos, die Kadenz wird jetzt wie bei Tacx über die Bremseinheit gemessen bzw. berechnet. Die Lenkereinheit ist bei diesem Modell wirklich kabellos, so dass der Name nun Programm ist und die Demontage des Rades ohne Verkabelung deutlich erleichtert wird.

Software

Zunächst muss ich eingestehen, dass meine Probleme der Kontaktaufnahme zwischen PC und Trainer wohl auf dem Installationsprozess beruhen. Das Update auf 7.0 hat diese nämlich nicht behoben, folgende Neuinstallations-Abfolge nach Entfernen jeglicher Elite- und ANT-Software und des Dongle-Treibers über den Hardware-Manager jedoch schon:

  • Den ANT-Stick nicht einstecken
  • Real installieren, aber nicht starten
  • Den ANT-Stick einstecken und warten, bis die Treiberinstallation abgeschlossen ist
  • Real starten

Bisher funktioniert der Verbindungsaufbau meistens reibungslos und in dem einen Fall, in dem es nicht geklappt hat, reichten das Beenden der Real-Prozesse (Real.exe und RaxiomWin.fdw) über den Taskmanager und ein Neustart von Real völlig aus. Selbst beim Rumprobieren für diesen Test, bei dem ich das Programm auch einige Male mit dem Taskmanager abschießen musste (mehr dazu später), funktionierte der Verbindungsaufbau immer auf Anhieb beim Programmstart. Real findet den Stick zwar auch, wenn er gar nicht eingesteckt ist und der Treiber wurde vorhin überraschend nochmal neu installiert, aber bisher läuft es – toi toi toi.

Um zumindest synchron zum ersten Test zu beginnen: Real 7.0 kann immer noch nicht den Bildschirmschoner bzw. das Abschalten des Displays blockieren. Wie kann es sein, dass man bei der Entwicklung einer solchen Software nicht an so etwas denkt? Eine Selbstkalibrierung gibt es ebenfalls noch nicht. Immerhin läuft es stabiler, Abstürze und Hänger hatte ich seit dem Umstieg eigentlich gar keine.

Das große „Aber“ kommt jedoch gleich hinterher: Im Prinzip nutze ich außer den selbsterstellten Einheiten (und hier eigentlich auch nur Steigung-Zeit) nichts mehr. Die Video-Strecken waren ungefähr anderthalb Wochen interessant. Danach stellte sich heraus, dass ich auf der Rolle eigentlich weder ständig schalten noch „flach“ oder „bergab“ bei kaum Bremsleistung zum Halten des Trainingsbereichs sehr schnell fahren will. Zudem ist Warmfahren oder Ausrollen schwieriger zu gestalten als in einer selbsterstellten Einheit, von Intervallen ganz zu schweigen. Die GPS-Einheiten (also einem bewegten Symbol auf Google Earth zusehen) sind nicht mal anderthalb Stunden spannend, die anderen Einschränkungen gelten analog zu den Video-Rennen.

Internetrennen bin ich noch nie gefahren und mein Interesse hält sich auch weiterhin sehr in Grenzen, da die Anzahl der Mitstreiter und Rennen extrem gering ist. Conconi-Test und Training-Test habe ich mir auch gespart, da die Aussagekraft solcher Tests fragwürdig ist. Da hält man sich besser an die verschieden langen Zeitfahren von Joe Friel und programmiert sich jeweils eine eigene Einheit dazu. Die Aufzeichnungsfunktion ersetze ich mit meinem Polar CS600, der außer dem Hybrid-Pulsgurt auch gleich noch einen Geschwindigkeitssensor am Hinterrad spendiert bekam, und der zugehörigen Software. Zudem habe ich durch den Tacho Puls und Trainingszeit auch dann im Blick, wenn Real nur im Hintergrund läuft.

Konnte ich mich für den letzten Test noch dazu aufraffen, einige Screenshots anzufertigen, habe ich dieses Mal aufgegeben nachdem die Darstellung einer Video-Einheit auf einem externen Monitor wie bei der alten Software ums Verrecken nicht zum Laufen zu bringen war. An der 7 Jahre alten Version von ffdshow, die Real installiert, lag es jedenfalls nicht und mehr Ideen hatte ich auch nicht. Dass es an dem Display-Manager von Samsung oder sonstigen unglücklichen Umständen liegt kann ich nicht völlig ausschließen, allerdings funktionieren andere Mediaplayer ja auch reibungslos, egal ob ich den Monitor zusätzlich anschließe oder als einziges Display nutze. Ein FullHD-Demovideo von bikelabvideo lief zwar auf dem Laptop, aber ragte über den Bildschirm hinaus und wurde nicht in der Größe angepasst.

Screenshots sieht man ja auf der Elite-Website genug, optisch ist es schon ein Fortschritt gegenüber 6.1. Allerdings hat sich an der unvollständigen Übersetzung nicht viel geändert. Alles in allem nervt mich die Software immer noch. Von der Benutzung per Lenkereinheit will ich gar nicht reden, das habe ich wie erwähnt aufgegeben, auch wenn sich tatsächlich die Hervorhebung der gerade ausgewählten Schaltfläche verbessert hat.

Fazit

Die Bremseinheit ist super und wer die stärkste Bremse auf dem Markt haben will, muss in den sauren Apfel des ganzen Rests beißen. Der „ganze Rest“ fängt dabei bereits mit der Abstützung am Rahmen an, an Verbesserungspotential mangelt es also wahrlich nicht. Während die Verkabelung 2014 verschwindet, hat die Lenkereinheit immer noch Sensortasten und könnte deswegen auch gleich weggelassen werden – benutzbar ist sie mit der derzeitigen Software und der Störempfindlichkeit durch Schweiß nicht. Die Software wirkt auch in Version 7.0 unfertig und hat zum Teil erhebliche Mängel wie die Videowiedergabe auf einem zweiten Display.

Von den günstigeren Varianten RealAxiom und RealTour kann ich nur abraten, hier fehlt das einzige Pro-Argument Bremseinheit. Alles andere hat DCRainmaker deutlich ausführlicher getestet als ich es je könnte: My 2013 Trainer Recommendations

Ich glaube kaum, dass sich meine 2013er Bremseinheit auf ANT+ umrüsten lassen wird, wenn denn mal ein offizielles Rollentrainer-Profil verabschiedet wird. Daher hoffe ich langfristig auf eine Version des Elite Turbo Muin mit der gleichen Bremsentechnologie wie beim RealPower und ANT+, so dass man sich die Software selbst aussuchen kann. Wenn Elite schon nicht bewusst ist, dass die beste Hardware nichts nutzt, solange die Software nicht taugt, so begreifen sie hoffentlich wenigstens die Chance, die in ANT+ liegt. Es ist zu hoffen, denn Elite wäre nicht die erste Firma die an diesem Hardware-Software-Ungleichgewicht scheitert.

3 Kommentare zu “Elite RealPower: Dauertest und Real 7.0

  1. Hallo Lukas,

    hast du immer noch Probleme mit der Synchronität der Daten mit den Videobildern? Auf meinem WIN7 Rechner ist das Problem immer noch aktuell, auf dem XP Rechner tritt es nicht auf. Elite kann nicht wirklich weiterhelfen, da können wir uns nur selbst helfen.
    Deswegen an dieser Stelle: falls irgendjemand eine Lösungsansatz hat der hilft die Videos synchron zu den Daten laufen lassen, unbedingt hier rein schreiben!!!! Ich bin seit zwei Jahren auf der Suche nach einer Lösung für dieses Problem.

  2. Hallo Zusammen,

    ich habe mir auch den Real Power gekauft. Genau genommen drei mal. Bei zweien konnte ich die Bremse nicht fest montieren. Bereits bei 4 NM Drehte die Rechte schraube an durch.

    Bei dritten, jetzt auch ein 2014er Modell, setzt die Bremse immer wieder aus. Das bedeutet, dass immer wieder die Bremswirkung weg ist.

    Kennt Ihr das? Gibt es eine Abhilfe dafür, oder ist er defekt?

    1. Habe eine Anleitung inklusive AxtonANT Test Software vom Support zur Eingrenzung der Problem erhalten.
      1. Manuelle Steuerung starten und testen ob die Aussetzer weg sind. Ergebnis: keine Aussetzer
      Somit bin ich der Meinung ist es ein reines Software Problem.
      2. Test mit AxtonANT Software. Hier konnte ich auch bei 10 Minuten Test keine Aussetzer bemerken.
      Somit wieder die Bestätigung, es liegt an der Real Software. (Stand 7.1.0.100).
      Ich habe dann noch etwas mit der Software experimentiert und herausgefunden, dass es besser wird, wenn der Wert bei „Einstellung Prüfung ANT Verbindungsprüfung Anzeigen“ unter Einstellungen und Utility von 3 auf 5 hochgesetzt wird.

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