Aus aktuellem Anlass schreibe ich mal ein paar Überlegungen nieder zu den Kombinationen von Lefties mit verschiedenen Rahmen und Vorbauten. Ein vollständiges Lefty-Kompendium soll es nicht werden, ich zeige nur die grundsätzlichen Fragen und Probleme auf. Mangels eigener Bilder wird das ein textlastiges Unterfangen ohne optische Auflockerung.
Geschichte
Historisch liegen die Anfänge der Cannondale-eigenen Federgabeln in den Headshok-Gabeln mit Federung im Steuerrohr begründet. Eine solche war in meinem 1997er Super V eingebaut. Das Steuerrohr der Cannondale-Rahmen unterschied sich von anderen MTB-Rahmen in zwei Punkten: Der Durchmesser war wesentlich größer als üblich, um die rollengelagerte Federungstechnik unterzubringen, und die Länge war über alle Rahmengrößen gleich, damit eine Gabel für alle Größen passte. Da es Lefties und Headshok-Gabeln lange – nach meiner Erinnerung bis zur Einführung von 29″ – parallel gab, wurden diese Merkmale beibehalten, obwohl nicht mehr unbedingt notwendig.
Die Ausnahme vom Sonderfall
Alles Folgende bezieht sich natürlich nur auf die alten Doppelbrücken-Lefties. Die aktuellen Lefty Ocho und Oliver II mit ihrer Einfachbrücke sind mit einem herkömmlichen 1 1/8″ auf 1 1/2″ (dezimal 1,125″ auf 1,5″, metrisch 28,6 mm auf 40 mm) konischen bzw. tapered Schaft ausgestattet, einzige Besonderheit wohl ein integrierter Gabelkonus mit 36° Winkel bei den Carbon-Varianten, und bedürfen dementsprechend keiner besonderen Behandlung. Mit einem für den Rahmen und Gabelschaft passenden Steuersatz und einem normalen 1 1/8″ Vorbau kann man sie relativ problemlos in Nicht-Cannondale-Rahmen einbauen, sofern Randbedingungen wie Laufradgröße, Federweg, Einbaulänge, Offset, Reifenfreiheit etc. im grünen Bereich sind.
Brückenvarianten und Brückenabstände
Es existierten Lefties mit geschraubten Brücken, die auch etwas Verstellspielraum boten, und mit festen Brücken, die es hauptsächlich mit einem Standard-Brückenabstand von 137,6 mm für die Standard-Steuerrohrlänge 134 mm und manchmal auch XL (oder Tall) mit 163 mm Brückenabstand gab. Mit der Lefty 2.0 und ihren Ablegern wurden dann doch noch komplett rahmengrößenabhängige Steuerrohre eingeführt mit 97, 109, 122 oder 134 mm Steuerrohrlänge – die korrespondierenden Brückenabstände sind vermutlich ebenso um die 3 mm größer für die obere Lagerabdeckscheibe wie auch beim alten Standardmaß.
Bedenkt bitte, dass diese Maße beim Nachmessen durchaus abweichen können durch Ungenauigkeiten des Messwerkzeugs und da oben genannte Werte vermutlich mal exakte Maße im imperialen System waren und im metrischen System gerundet wurden. Auch Angaben von Händlern sind häufig ungenau und selbst in den offiziellen Dokumenten von Cannondale gibt es Abweichungen, ihr werdet also häufig sowas wie Brückenabstand 134 mm lesen oder alle Zahlen zwischen 134 und 137,7 als Bezeichnung für die Standardgröße finden.
Steuersatzlager
Das Standard-Steuersatzlager in Cannondale-Rahmen für Headshok und Lefty ist ein zölliges mit 1 9/16″ x 2″ x 9/32″ oder in die metrische Welt übersetzt 39,69 x 50,8 x 7,14 mm. Das Lager hat keine Fasen, die Winkel sind somit 90°/90°. Oben und unten wird das gleiche Lager verbaut.
Was man beim Innendurchmesser, der sich dann auch wieder als Schaft- und Vorbaumaß findet, häufiger als den gemischten Bruch oder die exakte Dezimalzahl liest, sind die Angaben 1,56″ oder 39,7 mm.
Die Cannondale-Bezeichnung für das Set mit zwei Lagern lautet HD169, EAN 769753664531. Soweit meine oberflächliche Recherche ergab, ist die Nummer 543 oder die Bezeichnung 397508RS, die im Zusammenhang mit diesem Lager häufig zu finden ist, keine Normangabe oder dergleichen.
Steuerrohrvarianten
Neben den bereits genannten Längen-Varianten gab es auch verschiedene Ausführungen der Steuerrohre. In Alu-Rahmen wurden die Lager vermutlich meistens direkt eingepresst, in Carbon-Rahmen sind mir zumindest die Varianten mit eingeklebten Alu-Schalen, die nicht entfernt werden durften, und unterschiedlich hohen Alu-Schalen oben und unten, die zur Lenkwinkelanpassung vertauscht werden konnten, bekannt. Ein paar Handbücher auf der Cannondale-Seite habe ich mal durchgeblättert, aber Carbon-Rahmen, in die die Lager direkt eingepresst wurden, sind mir dabei nicht aufgefallen.
Die älteren Leser werden sich erinnern, dass es vor der Tapered-Ära mal Gabeln mit durchgehend 1 1/2″ dicken Schäften gab, meistens geschrieben als 1.5″ oder gleich OnePointFive. Dazu gab es auch bei Cannondale – ich vermute nur bei Alu-Rahmen – passende Steuerrohre mit dem zugehörigen Innendurchmesser von ca. 49,6 mm (nach S.H.I.S.-Nomenklatur wird das als 49 bezeichnet, also z. B. in EC49/40 oder ZS49/30). Diese konnten mittels eingepressten externen Schalen die oben genannten 2″-Standardlager aufnehmen und hatten inklusive Schalen, Lagern und oberer Abdeckung dann auch eine Lefty-kompatible Steuerrohrlänge.
Schaftvarianten und Vorbauten
Grundsätzlich gab es von Cannondale über die Jahre drei Schaft-Designs: Die einteilige OPI (One Piece Integration) Kombination aus Schaft und Vorbau, die man von oben in Gabelbrücken und Steuersatz prügelte, wurde ca. von 2009 bis 2010 verbaut. Darauf folgte die immer noch OPI genannte zweiteilige Konstruktion von 2011 bis höchstens 2015, bei der ein Schaftstummel am Vorbau in oberer Brücke und oberem Lager saß und der Rest des Schafts von unten eingeschraubt wurde.
Beide Varianten sind erkennbar daran, dass der Vorbau keine seitlichen Klemmschrauben hat, und leider recht unflexibel – Generation 2 kann man noch geringfügig spacern (bis 15 mm), ansonsten bleibt nur der Austausch.
Davor und danach wurden simplere Konstruktionen aus einem Schaftrohr und einem herkömmlich mit seitlichen Klemmschrauben auf den Schaft geklemmten Ahead-Vorbau eingesetzt.
Auch hier gab es allerdings wieder zwei unterschiedliche Varianten bei der Vorbau-Aufnahme: Einmal mit dem klassischen Cannondale-Schaftdurchmesser von 1 9/16″ bzw. 1,56″ bzw. 39,7 mm vor 2016 und einmal mit dem im Rest der Fahrradwelt eher bekannten 1 1/2″, 1,5″, 1.5″, OnePointFive bzw. 38,1 mm ab 2016. Damit das keiner falsch versteht, bei der letztgenannten, jüngeren Variante ist nur der Bereich des Schafts ganz oben, auf den der Vorbau aufgesteckt wird, auf 38,1 mm heruntergedreht. Im Bereich der Gabelbrücken und Lager ist auch dieser Schaft im klassischen Cannondale-Maß gehalten.
Zusätzlich unterscheiden sich die Original-Schäfte mitunter durch die Höhe der Klemmbereiche für die Brücken bzw. Positionen für die Lagersitze, da wohl ab Supermax und Lefty 2.0 die untere Brücke deutlich dicker wurde.
Wichtige Hinweise
Die Zuordnungen dieser Varianten zu konkreten Gabel-Modellen müsst ihr bitte anderweitig recherchieren bzw. einfach an der eigenen Gabel oder am eigenen Rad prüfen. Denkt insbesondere bei gebrauchten Rädern daran, dass diese nicht zwingend exakt so ausgestattet sein müssen, wie sie im Archiv des Herstellers oder sonstigen Online-Quellen beschrieben sind. Es gab nicht alle Kombinationen aus Laufradgrößen, Federwegen, Offsets und Brückenabständen – falls ihr ein Rad um eine Lefty herum plant, kauft ggf. zuerst die Gabel.
Fragt keine sogenannte künstliche Intelligenz, die heute gängigen Large Language Models (LLMs) sind extrem abhängig von der Qualität der Trainingstexte und dessen, was man eben im Internet so findet und als langjähriger Forenteilnehmer kann ich nur sagen, dass es auf keine Kuhhaut geht, was im Fahrradbereich mit völliger Überzeugung an Unsinn verzapft wird.
Hilfreiche Quellen sind hingegen zum Beispiel der Service-Bereich von Cannondale mit den Manuals, Dr. Cannondale und Eighty-Aid. Ich arbeite mich nur punktuell bei Bedarf in die Materie ein, helfe aber bei schriftlichen (!) Anfragen nach Kräften weiter.
Nachdem nun also geklärt ist, was es alles geben könnte und wo man Hilfe beim Identifizieren findet, geht es jetzt um die eigentlichen Fragestellungen, die ich mit diesem Beitrag beantworten will.
Lefty in anderen Rahmen
Beim Neukauf #geldspieltkeinerohloff ist die Empfehlung natürlich klar, eine Lefty Ocho zu nehmen. Die Eckdaten müssen hier passen wie bei jeder anderen Gabel auch und man benötigt zusätzlich ein Vorderrad mit der richtigen Lefty-Nabe, aber davon abgesehen ist das der einfachste Fall.
Soll eine Lefty mit Doppelbrücke in einen Rahmen, der kein Headshok-Steuerrohr hat, dann benötigt man einen Schaft von einem Dritthersteller und die Länge von Steuerrohr plus Steuersatz (evtl. auch noch plus Vorbau, wenn ihr dasselbe vorhabt wie ich mit diesen drei Rädern) muss kleiner gleich dem Brückenabstand der gewünschten Lefty sein.
Alternative Schäfte gab es mal von MCFK, Project321, Leonardi, …, aber die sind alle nicht mehr erhältlich. Realistisch betrachtet bekommt man sowas heute nur noch auf AliExpress. Dabei handelt es sich meist um normale Tapered-Gabelschäfte, die man mit etwas Nachdruck in die untere Lefty-Brücke reinbekommt, mit einem geschlitzten Adapterring für die Reduktion von oberer Brücke auf 1 1/8″. Dafür kostet es aber auch nicht die Welt, ich habe 40 € mit Versand für ein solches Exemplar bezahlt.
Ob man auch noch gerade Schäfte mit durchgehend 1 1/8″ findet, weiß ich nicht, ich vermute aber eher nein. Für Rahmen mit klassischem 1 1/8″ Steuerrohr mit außenliegenden Schalen (EC34) sieht es also eher schlecht aus, ebenso für vollintegrierte Lager mit 1 1/8″ (IS41 oder IS42). Bei Rahmen mit semi-integriertem Steuersatz in 1 1/8″ (ZS44) kann man hingegen die untere Lagerschale (ZS44/30) in aller Regel gegen eine außenliegende (EC44/40) für einen Tapered-Gabelschaft austauschen – mit allen theoretischen Nachteilen, die eine ca. 10 mm höher bauende untere Lagerschale mit sich bringt.
Rahmen, die ab Werk schon Tapered-Steuerrohre oder noch 1,5″ durchgehend haben, machen den Lefty-Einbau mit dem passenden Steuersatz für den Tapered-Schaft ebenso möglich – so lange wie schon erwähnt der Brückenabstand der Gabel nicht überschritten wird.
Andere Gabel in Cannondale
Das ist etwas einfacher. In Cannondales lassen sich auch herkömmliche Gabeln montieren, wenn z. B. eine defekte Lefty günstig ersetzt werden soll.
Folgende Steuersätze von Cannondale erlauben den Einbau von normalen Gabeln in Rahmen mit Headshok-Steuerrohr:
- KP058 von Headshok zu durchgehend 1 1/8″ – ZS51/28.6 | ZS51/30
- KP119 von Headshok zu durchgehend 1.5” – IS51/38.1 | IS51/40
- KP205 von Headshok zu Tapered 1 1/8″ – 1.5″ – ZS51/28.6 | IS51/40 (ist wie Oberteil von KP058 mit Unterteil von KP119)
Auch Reset Racing hat zwei Adapter-Steuersätze im Sortiment:
- CTRL-C 2″ von Headshok zu durchgehend 1 1/8″ – ZS51/28.6 | ZS51/30
- CTRL-C 2″ Tapered von Headshok zu Tapered 1 1/8″ – 1.5″ – ZS51/28.6 | ZS51/40
Ich habe mich hier an der Nomenklatur von Reset orientiert. R2-Bike, die ich ansonsten für ihre Artikelanlage sehr schätze, bezeichnet den KP205 als IS50,8/28.6 | IS50,8/40, was auf jeden Fall falsch ist in Hinblick auf das obere Lager, das in einer internen Schale eingepresst wird, also ZS und nicht IS ist, und im Bezug auf die Dezimalzahl auch die übliche Konvention von S.H.I.S. verlässt, bei der Durchmesserangabe des Lagers bzw. der Schale großzügig auf- oder abzurunden.
Auch hier heißt es natürlich wieder, auch die anderen Anschlussmaße und Geometriedaten im Blick zu halten. Wer ein Laufrad mit Lefty-Nabe für ein anderes Nabenmaß konvertieren will, findet evtl. bei Vertical Engineering ein passendes Umrüstkit. Ganz billig ist das nicht, aber wenn man damit ein Laufrad mit teurer Nabe und teuren Speichen weiterbetreiben kann, finde ich den Preis akzeptabel. Ich habe selbst eines im Einsatz.

Anderen Vorbau an Lefty in Cannondale
Dieser Fall war für mich der Grund, diesen Artikel zu schreiben. Ein Cannondale mit Lefty wurde in der Familie weitergereicht, der neue Fahrer ist größer und älter und will aufrechter sitzen.
Ich hatte so gesehen Glück, dass zum einen die zweiteilige Kombination aus Schaftrohr und Vorbau mit jeweils 1,56″ verbaut war – so weit ich mich erinnere, wurde das vor Jahren schon anstelle eines OPI-Vorbaus nachgerüstet – und es einen verstellbaren Trekking-Vorbau KP303 von Cannondale gibt, der zufällig in der Länge passt.
Üppig ist das Angebot an solchen Vorbauten in 1,56″ ansonsten weder neu noch gebraucht, noch schlimmer sieht es aber mit dem Schaft aus. Die lange Variante für den Standard-Brückenabstand habe ich noch bei Orbea Singapore gefunden, ansonsten scheint hier komplett Ebbe zu sein.
Nicht so richtig viel besser ist es bei den Gabeln mit den Schäften, deren Vorbauaufnahme auf 1.5″ reduziert sind. Schäfte gibt es noch hier und da, aber es gibt ja mehrere für verschiedene Gabeln und auch noch in unterschiedlichen Längen. Von der kurzen Recherche will ich da jetzt nicht behaupten, dass es alles noch gibt. Vorbauten finde ich aber irgendwie so gut wie keine mehr.
Es bleibt aktuell immerhin noch eine lieferbare Schaftoption für 1 1/8″ Vorbauten: Den Extralite LeftyLite Schaft. Im Gegensatz zu den Originalschäften soll er sowohl für die alten Lefties als auch 2.0 und Supermax passen, leicht ist er auch – nur beim Preis darf man sich die Frage stellen, ob sich das noch lohnt für ein älteres Rad.
Bei meinen Recherchen musste ich entsetzt feststellen, dass die Lefty Ocho vor fast 8 Jahren vorgestellt wurde, ich hätte irgendwie auf höchstens die Hälfte getippt. Meine eigene 2013er Lefty Hybrid ist jetzt schon 13 Jahre alt – ich bin alt. Insofern kann ich es dann auch wieder nachvollziehen (wenn auch nicht gutheißen), dass die Ersatzteile hier schon fast vom Markt verschwunden sind.
Was leider nicht ohne weiteres funktioniert, kann ich aus erster Hand berichten: Der China-Tapered-Schaft ist mit 39,8 mm im Durchmesser im unteren Bereich angegeben und zumindest von Hand konnte ich ihn nicht durchs Lager schieben. Es ist denkbar, dass man ihn minimal abdrehen muss, damit das passt. Noch mehr Aufwand würde aber das obere Ende benötigen: Hier fehlt ja eine Führung im oberen Lager komplett – beim Schaft mitgeliefert wird nur die Hülse, die die Differenz zwischen dem 1 1/8″ Schaft und der Gabelbrücke schließt. Am Besten wäre es hier, eine Art Rohr mit Flansch zu fertigen, das die obere Lagerabdeckung und einen Zentrierring im oberen Lager kombiniert. Drehen oder drucken ist hier die Frage, ohne diese Fertigungsmöglichkeiten kann man die Günstiglösung wahrscheinlich knicken.
Das obere Lager gegen Schale, Lager, Konus und Abdeckung vom KP058 zu tauschen, wird vermutlich an der Höhe scheitern – immer an den Brückenabstand denken. Eventuell kann man die Abdeckung auch weglassen, vielleicht geht es dann. Getestet habe ich das nicht mehr, weil ja mehr durch Zufall der Trekking-Vorbau passt. Falls es mal jemand probiert, ergänze ich das hier gerne.









