Gerade habe ich nach vier Jahren endlich den Artikel über mein Racebike veröffentlicht, jetzt möchte ich euch im Verhältnis dazu taufrisch mein neues Zweitrad auf Basis des gleichen Rahmens vorstellen. Die Frage nach dem “Warum” ist relativ schnell mit “Warum nicht?” beantwortet – das Leben ist zu kurz, um kein S-Works als Zweitrad zu fahren.

Das Wichtigste zuerst

10,48 kg

Teileliste
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Geschichte

Das alte Zweitrad war ja nicht verkehrt. Die Farbe war jetzt nicht der Brüller und die Ausstattung war teilweise zusammengestoppelt, aber ansonsten hat es eigentlich gemacht, was es sollte. Es kamen mehrere Dinge zusammen. Irgendwann letztes Jahr habe ich beschlossen, dass ich auch an Zweit-, Dritt- und sonstigen Rädern keine irgendwie zusammengewürfelten Restteile mehr verwursten will – das bleibt künftig den Gästerädern (ja, Plural, fragt nicht) vorbehalten. Gleichzeitig gingen mir so langsam die Räder aus, um meinem Ziel einer kompletten Sammlung der Hope-Farbpalette näherzukommen. Die eigentliche Idee war, einen weiteren S-Works Epic EVO der siebten Generation zu beschaffen, zu entlacken und damit das Racebike etwas zu erleichtern. Dessen Rahmen wiederum hätte ich dann für das neue Zweitrad verwendet und mit schwarzen Hope-Teilen aufgebaut – Erstrad leicht, Zweitrad hübsch. Dass es dann anders kam, lag an der Farbkombination, und das passt besser in den entsprechenden Absatz weiter unten.

Zielsetzung

So sehr ich Gadgets mag und das Racebike mit dem vollen Elektronikprogramm aufrüste, so sehr schätze ich es, ein zur Not sogar renntaugliches Rad zu haben, das auch fährt, ohne Akkus aufzuladen. Die weichen Faktoren wie Optik und Prestige mal außen vor, war die Zielsetzung daher, vom Fahrverhalten eine Kopie des anderen S-Works zu bauen, die vollkommen mechanisch bedient wird und auch mit weniger Bedenken bei schlechtem Wetter bewegt werden kann.

Rahmen & Fahrwerk

Der Rahmen kam gebraucht als Rahmenkit mit Fox Factory Fahrwerk. Dass ich Kashima hasse, dürfte bekannt sein, und so habe ich die Gabel und Dämpfer gleich in die Kiste mit den Teilen sortiert, die ich loswerden will. Der Vorbesitzer hatte den Rahmen umfangreich mit Schutzfolie überziehen lassen. Dass die Decals passgenau schwarz foliert waren, hat mich in der Verkaufsanzeige ziemlich verwirrt. Das kam alles runter. Die Hinterbaulager und eine Schraube mit rundgedrehtem Kopf habe ich ersetzt. Der Dämpfer stammt 1:1 aus meinem anderen S-Works, wo jetzt ein SIDLuxe FlightAttendant werkelt.

Die Gabel kommt irgendwie aus dem alten Zweitrad, irgendwie auch nicht. Die Buchsen hatten schon Spiel, das war leider ein Problem der frühen C1-Serien. Neben einem normal bepreisten schwarzen Casting habe ich bei meiner Recherche noch weitere Ersatzteile gefunden und gekauft, weil sie so günstig waren. Neben einer neuen CSU, damit ich den Schaft 5 mm länger lassen konnte, war das noch ein blaues Casting, das ich mit der alten CSU zu einer weiteren Gabel komplettiert habe. Darauf basiert im Grunde eines der neuen Gästebikes, aber das ist dann eine Geschichte für einen anderen Artikel.

Lenkzone

Laaaangweilig. Das Cockpit ist identisch zum Racebike: Cane Creek AER Steuersatz, Syntace FlatForce 88 mm, bike ahead composites The Bar mit 750 mm und 13° Backsweep sowie SQlab 711 R Griffe in Größe S mit ausgeschnittenen Enden und eine OneUp EDC Ahead-Kappe. Ja, da ist ein Loch. Man könnte da ein Werkzeug von OneUp reinstecken, aber ich würde dafür, wenn überhaupt, etwas Eigenes bauen.

Abweichend habe ich hier Lenkerendstopfen und Spacer von Hope verbaut. Da ich die übrig gebliebenen Spacer aus jedem Kit auf meinem Hope-Fortschrittsbalken sammle und von allen anderen Farben 15 mm übrig blieben, wollte ich das bei Bronze auch so handhaben. Daher war die neue CSU mit längerem Schaft, siehe vorheriger Absatz, nicht etwa für eine höhere Sitzposition, sondern nur, damit ich den 20 mm hohen Spacer aus dem Kit am Rad verbauen konnte. Und ja, so gesehen haben diese 5 mm ein Gästerad verursacht.

Sitzzone

Die Sattelklemme ist erwartungsgemäß von Hope, der Sattel ebenso erwartungsgemäß ein SQlab 612 Ergowave R Carbon – wir sagen es im Chor – wie am anderen S-Works. Die Stütze ist eine mechanische OneUp V3 Dropper mit 150 mm Hub. Das sind 25 mm mehr Hub als mit der Reverb AXS A1, die niedrige Bauhöhe macht es möglich. Angesteuert wird sie, das vorherige Bild hat es verraten, von einem Hope-Hebel.

Antrieb

Im Hope-Tretlager steckt die Carbonkurbel aus Barnoldswick in 170 mm Länge. Das ovale 34er Blatt kommt in dem Fall von Alugear, ich greife aber je nach Verfügbarkeit auch zu AbsoluteBlack oder Garbaruk – da bin ich tatsächlich mal nicht so exakt festgelegt. Mangels Powermeter-Spidern für Hope-Kurbeln setze ich auf die Favero Assioma PRO MX-2, die meiner Ansicht nach die sinnvollste Option unter den leistungsmessenden Pedalen sind.

Kurzer Exkurs an dieser Stelle zur Leistungsmessung: Der Vorteil von Pedalen gegenüber der Leistungsmessung im Spider, in der Welle oder am Kurbelarm ist die Flexibilität. Egal ob man mit der Kurbellänge experimentieren will, von Shimano auf SRAM oder umgekehrt wechseln will oder einfach mehrere Räder und ein begrenztes Budget hat: das 9/16″ Pedalgewinde ist ja außer an BMX wirklich noch ein Standard, und so passen Pedale fast überall. Im Falle der Favero Assioma PRO MX-2 kann man nicht nur schnell von Rad zu Rad wechseln, sogar die Pedalkörper kann man (mit etwas mehr Aufwand) zwischen SPD und SPD SL tauschen, für den halben Preis im Vergleich zu Garmin. Profi-Tipp: Wem das immer noch nicht schnell genug ist, kauft einfach ein Paar pro Rad, ich zähle mittlerweile vier Paar im Fuhrpark.

Ganz bodenständig geht es dagegen bei Kette und Kassette aus der Deore XT 8100 zu – wir reden immer noch über ein Zweitrad. Die Kette wurde heißgewachst mit einer Endurance-Mischung von Silca.

Schaltung

Beim Racebike habe ich mich mit der Verfügbarkeit herausreden wollen, hier schiebe ich es auf das Farbkonzept: Auch am Zweitrad schaltet ein Schaltwerk (oder sollte man besser Kunstwerk sagen?) von Hopp Carbon – ja, das ist wieder ein Fall von #geldspieltkeinerohloff. Basis war mal ein Shimano XTR RD-M9100-SGS, das ohne die “Series Color” gleich viel besser zum Rest passt. Dass die Käfigdämpfung ausgeschaltet war, ist mir nach dem Foto dann auch noch irgendwann aufgefallen.

Der zugehörige Schalthebel stammt aus derselben Gruppe und ist zum Glück ab Werk komplett schwarz. Als Außenhülle und Zug kommen wie auch an der Sattelstütze Shimano OT-SP41 mit gedichteten Endkappen und unbeschichtete Edelstahl-Schaltzüge von Shimano zum Einsatz.

Bremsen

Ich mache es kurz: Hope XCR Pro X2 mit entfärbten Belägen mit Alu-Träger und Floating Center Lock Rotoren in 180/160. Seit ich geschnallt habe, dass mein Trickstuff-Entlüftungsblock einen Hauch zu schmal für diese Bremse ist und die Kolben nochmal auseinanderdrücke, bevor ich den Ausgleichsbehälter schließe, bin ich eigentlich recht flott mit der Einstellung.

Laufräder

Von den Hope Pro 5 Naben mit Center Lock stellen je 32 Sapim CX-Ray und Polyax Alu die Verbindung her zu Duke Lucky Jack SLS4 6Ters 30 Felgen. Ich wollte hier bewusst nicht die leichtesten Felgen. Farblich passende Nippel gibt es leider keine, aber die Hope-Ventile stellen immerhin noch einen kleinen Farbklecks dar.

Die schlauchlos montierten Continental CrossKing und RaceKing II in der Protection-Variante haben zwar keine orangen Logos mehr, aber die Produktionsrückstände in Form der kleinen Gummi-Härchen behalten – am Racebike knipse ich diese ab, für’s Zweitrad war mir das zu viel Aufwand.

Farbgestaltung

Meine Suche nach einem weiteren S-Works-Rahmen war noch eher unregelmäßig und ohne abonnierte Suchaufträge auf den bekannten Plattformen, als ich zufällig auf das Rahmenkit aus einem 2022er Komplettrad mit der Lackierung Gloss Sand/Satin Red Gold Tint stieß. Diese Farbe hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm und direkt kam mir Bronze in den Sinn. Eine vergleichbare Kombi hatte ich schon mal notiert, auf Basis des Title JS1 Sattels mit einem Bezug namens Beach Cloth.

Als ich dementsprechend bei r2-bike “Hope Bronze” in die Suche eingab, beschleunigte sich mein Puls – das Angebot sah irgendwie ausgedünnt aus und die meisten Teile waren reduziert. Mein anfänglicher Verdacht verfestigte sich durch weitere Rabatte bei anderen Händlern und einen Hinweis bei Tarty Bikes, dass Teile in Bronze wegen Problemen bei der Qualitätssicherung des Farbtons erst ab Januar wieder bestellbar seien – wohlgemerkt war es zu diesem Zeitpunkt bereits März.

Daher habe ich schnell alles bestellt und tatsächlich mit nur wenigen Schweißperlen auf der Stirn alle benötigten Teile in Bronze bekommen, siehe nächster Absatz. Bronze ist nicht mehr Teil des Sortiments, wer noch etwas möchte, muss sich also um die Reste bemühen. Als Ersatz gibt es nun Smoke, einen vermutlich massentauglicheren Grauton. Am Rande bemerkt sind alle meine Teile, die aus verschiedenen Ecken Europas zusammengekauft wurden, ohne jede Farbabweichung, das war also vermutlich nur vorgeschoben.

Ich denke vielmehr, dass Bronze viel zu nah am Orange von Hope war und daher nicht so richtig wahrgenommen wurde von den meisten potenziellen Kunden. Ich habe mich beim Betrachten von Social-Media-Beiträgen von Hope mit Fahrradbildern in freier Wildbahn unter natürlichem Licht oft selbst gefragt, welche der beiden Farben das jetzt sein soll.

Um die je nach Sichtweise eher erdig-herbstliche oder steampunkige Farbkombination nicht zu stören, waren nur kleinere Eingriffe notwendig. Die Reifenlogos habe ich mit Schleifpapier und Plastidip verschwinden lassen, die roten Hülsen an den Pedalen habe ich mit einer Lage schwarzem Isolierband versteckt. Rote Sag-Ringe am Fahrwerk waren bereits genauso Geschichte wie das rote Logo am Vorbau, insofern hielt sich der Entfärbe-Aufwand in Grenzen.

Probleme & Lösungen

Wirkliche Probleme gab es zum Glück keine. Die Beschaffung der Hope-Teile in Bronze brachte vier kleinere Unannehmlichkeiten mit sich: Sattelklemme, Spacer und Lenkerstopfen sind die alte Variante, weil nicht mehr alle drei Teile in der neuen Version erhältlich waren. Ich musste für das Innenlager eine französische Lieferadresse organisieren und für die Fernbedienung für die Sattelstütze zwei Hebel kaufen (Schwarz-Silber und Silber-Bronze), um die gewünschte Kombi Schwarz-Bronze zu erhalten (und Silber-Silber wieder zu verkaufen). Die letzte Vorderradnabe kam bei r2-bike abhanden (mittlerweile ist sie wohl doch wieder aufgetaucht), ich konnte aber noch ein ganzes Laufrad mit der gewünschten Variante finden – Ausspeichen, Wieder-Einspeichen des Laufrads mit einer anderen Nabe und es zu verkaufen war nur etwas mehr Arbeit.

Ansonsten frage ich mich gerade wieder, warum ich ca. Anfang bis Mitte April alle Teile hatte, es aber noch ein halbes Jahr bis zur Fertigstellung gedauert hat. Neben zu vielen anderen Projekten, zwei ordentlichen Stürzen und dem üblichen Mir-selbst-im-Weg-Stehen ist die Verzögerung wohl auch mit dem Umstand zu erklären, dass ich Teile wie das Cockpit und die Gabel vom vorherigen Zweitrad übernehmen, die Zeitspanne zwischen Zerlegen des alten und Fertigstellen des neuen aber so kurz wie möglich halten wollte. Immerhin liefere ich euch diesen Artikel nicht mal zwei Monate nach der Indienststellung und ich habe ihn sogar mehr oder weniger an einem Tag geschrieben.

Wie es sich fährt

Es fährt sich eigentlich wie das Racebike, was ja auch das Ziel war. Lest in dessen Vorstellung einen genaueren Vergleich zum Vorgänger, meinem Santa Cruz Tallboy. Kurzfassung: Laufruhig, ausgewogen, zum Wohlfühlen.

Updates

Hier fasse ich die Updates zusammen, wie sie auch in der Teileliste zu sehen sind:
15.10.2025: Erstaufbau

Eine Anmerkung an dieser Stelle, wie die Teileliste zu lesen ist: Die Änderungen zu einem Datum sind immer in dem Tabellenblatt mit dem vorhergehenden älteren Datum in den Spalten H “Neues Teil” und I “Geplantes Gewicht” zu finden.

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