Ein halbes Jahr nach dem letzten new bike day geht mein neues Straßenrad an den Start – Entschuldigung, ich präzisiere: Schlechtwetter-Straßenrad. Solange ich noch unentschlossen bin, was ich für gutes Wetter und lange Strecken in leicht aufbauen könnte und ob gar ein Rennlenker in Frage kommt, werde ich es aber auch ohne schlechtes Gewissen bei Sonnenschein fahren.

Das Wichtigste zuerst

13,43 kg

Teileliste
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Geschichte

Es lief ein bisschen so ab wie beim Zweit-Works – das alte Straßenrad war ein Restebike wie sein Vorgänger, darauf hatte ich keine Lust mehr und habe es aussortiert. Weil mir das Trek 1120 so viel Freude bereitete, beschloss ich aber vor einem leichten Straßenrad noch eines für schlechtes Wetter zu bauen. Der ein oder andere wird es vielleicht mittlerweile langweilig finden, aber auf dem Weg zur kompletten Hope-Farbpalette stand die Ausstattung schon weitgehend fest. Da ich mal etwas Abwechslung in den Materialmix im Radkeller bringen wollte, aber dem Zweck angemessen was gut sichtbares und keine graue Maus aufbauen wollte, sollte es ein Stahlrahmen werden.

Zielsetzung

Ein Kilometerfresser sollte es werden. Der Antrieb, StVZO-konforme Ausstattung und Schutzbleche waren somit gesetzt. Ebenso klar war, dass auch wieder alles von Hope drangebaut wird, was geht und an manchen Stellen habe ich ebenfalls mittlerweile Standard-Teile, die ich so gut wie immer verbaue. Aufregend ist daran nichts, aber das ist hier Teil des Plans – Überraschungen will ich beim Aufbau eines Rades sowieso nicht, bei einem Trainingsgerät für viele klaglose Stunden bei allen Bedingungen muss umso mehr alles solide und bewährt sein.

Rahmen & Fahrwerk

Stahlrahmen aus kleinen Schmieden gibt es zwar (wieder) einige, aber ich wollte auch die passende Gabel dazu. Da wurde die Auswahl schon erheblich kleiner und am Ende blieben nur die beiden Generationen des Veloheld Irons übrig. Entschieden habe ich mich dann für einen der letzten (oder sogar den letzten) alten Rahmen in der einzigen verbliebenen Größe M in Serienfarbe JPM Yellow.

Der alte gefiel mir in Details besser: Die Biegung in der Sitzstrebe, BSA und Postmount statt T47 und Flatmount. Dafür habe ich auf den UDH verzichten müssen.

Lenkzone

Bei der Ausstattung wird es mittlerweile ziemlich redundant und Details findet ihr ja in der Teileliste, deswegen halte ich die folgenden Absätze kurz. Aus dem sehr begrenzten Vorbau-Angebot von Hope passt die Variante mit 80 mm Länge und -15°. Die Griffe von Onoff wurden es wegen der Farbe, Steuersatz, Spacer, Aheadkappe und Lenkerendstopfen sind natürlich auch von Hope. Einzig beim Lenker hatte ich keine besondere Präferenz und habe ich mich für einen Beast in 740 mm entschieden, da ich die Teile zeitgleich mit denen für das Trek Stache 5 bestellt habe und dort der gleiche Lenker in 780 mm dran kam, weil die Auswahl an breiten leichten Flatbars gar nicht mal so groß ist.

Sitzzone

Hope-Sattelklemme, -Stütze und ein 130er SQlab 612 Ergowave R füllen erwartungsgemäß diesen Bereich. Eloxierte Alu-Stützen von Hope wären eigentlich ganz nett, 1k-Gewebe ist jetzt nicht gerade mein Favorit.

Antrieb

Das Standard-Setup für die Arbeitsgeräte enthält den Linkglide-Antrieb und die unvermeidbare Hope-Kurbel samt Innenlager sowie ovale Kettenblätter wie hier von Garbaruk. Da mir keine Powermeter für Hope-Kurbeln bekannt sind, sind auch die Favero Assioma PRO MX-2 ständig wiederkehrende Elemente in meinen Bike-Vorstellungen.

Schaltung

Ebenfalls aus der obersten Linkglide-Schublade ist die Shimano Deore XT Schaltung bestehend aus dem SL-M8130 Schalthebel und dem RD-M8130-SGS Schaltwerk, das noch mit Hope-Schaltröllchen verfeinert wurde. Ich setze aus Farbgründen nie die bläulich beschichteten Schaltzüge auf XT-Niveau ein, sondern die normalen Shimano-Edelstahlzüge aus der 100er Box. Die Außenhülle kommt von der 50m-Rolle OT-SP41.

Bremsen

Hope XCR mit Floating-Scheiben habe ich mittlerweile an vier Bikes. Hier fahre ich sie mit schwarzen Galfer-Belägen, weil ich zu faul war, die Serienbeläge zu entfärben. Auch wenn ich ansonsten kein konsequentes Schraubentuning durchgeführt habe, sind die Schrauben an den Bremsen und den Scheiben aus Titan.

Laufräder

Mit der Duke Lucky Star Ultra 28 habe ich ausnahmsweise auf Alu-Felgen gesetzt. So ganz leicht musste es ja nicht werden und falls ich mal schmälere Reifen mit mehr Druck fahren will, habe ich da weniger Bauchschmerzen als mit einer leichten Carbon-Felge. Sapim CX-Ray und Polyax Alu sind auch schon Standard-Teile in meinem Keller wie die Hope Hinterradnabe, hier in der aktuellen Ausführung Pro 5, und der SON Nabendynamo. Den Schwalbe G-One Speed bin ich schon in mehreren Varianten gefahren, dieser hier nennt sich Super Ground ADDIX SpeedGrip EVO SnakeSkin TLE und ist 2,35″ breit. Ich könnte mir für den Winter aber auch etwas mit ein bisschen Stollen vorstellen.

Zubehör

Der obligatorische Garmin, aktuell ein Edge 830, ist hier mit der Aero-Lenkerhalterung und der Fernbedienung verbaut. Die Halterung ist kompatibel zum Zusatzakku, was ich bisher eher wegen vergessener Aufladung als für besonders lange Touren genutzt habe.

Spannender ist aber das Zubehör, das ihr mit Ausnahme des 1120 an meinen anderen Rädern nicht findet: Eine komplette Ausstattung nach StVZO und Schutzbleche. Zur Knog Oi Classic Small Klingel, deren Blau sogar passt, gesellen sich SON Edelux II Scheinwerfer und K 920 Rücklicht, hier in der Version für breite Schutzbleche, sowie alle vorgeschriebenen Reflektoren.

SKS Bluemels Style 75 sollen Wasser von mir fernhalten, was ich zum Glück noch nicht testen musste. Wie schon beim Trek habe ich die Halter aus einfachen Alu-Blechen und Winkeln aus dem Baumarkt mit simplen Mitteln handgeschnitzt und mit wenig Talent schwarz lackiert.

Auf die selbe Art entstanden zwei Verstärkungsbleche für die Topeak FastFuel Bag, um die Oberrohrtasche auch bei randvoller Beladung mit Snacks sicher an Ort und Stelle zu halten. Weil ich ja immer so ein bisschen versuche, die Anzahl an Marken am Bike gering zu halten, sind auch die drei Flaschenhalter von Topeak. Es ist genug Platz im Rahmendreieck, Eingriff von der Seite ist hier nicht nötig, deswegen tun es die simplen Shuttle Cage AL.

Farbgestaltung

Da eine Pulverbeschichtung nach Wunsch möglich gewesen wäre, dachte ich eigentlich zuerst an die Sendung-mit-der-Maus-Farbkombi Orange und Blau wie bei meinem Inspired Skye, dem ich ja so nachgetrauert habe, dass ich das Fourplay gebaut habe (upsi, noch kein Link, da habe ich ja noch gar nix zu geschrieben ¯\_(ツ)_/¯ ). Ich habe mich dann aber gegen die Kopie und für die Serienfarbe Gelb entschieden, nachdem ich lange genug immer wieder auf der Veloheld-Website war und dabei an meinem Ikea-Schreibtisch möglicherweise auch mal schwedische Haferkekse gefuttert habe.

Ausnahmsweise habe ich mal eine Auswahlbestellung und zwar von gelben Griffen getätigt. Die Onoff haben tatsächlich perfekt gepasst. Ansonsten musste ich die Logos von den Felgen und Reifen entfernen, die roten Hülsen an den Pedalen mit einer Lage schwarzem Isolierband überkleben und die bunten Bremsbeläge durch schwarze ersetzen. Der Aufwand an dieser Front hielt sich somit sehr in Grenzen.

Fehlfarben gibt es dennoch, aber die Reflektoren sind nun mal vorgeschrieben und das Rad sollte vollumfänglich gesetzestreu sein. Immerhin sieht man es in der Seitenansicht nicht.

Probleme & Lösungen

Ich bin – jedenfalls montage-technisch – kein großer Fan von innenverlegten Zügen und Leitungen. Bei Rahmen und Gabeln aus Stahl, zumindest dem zum Fahrradbau üblicherweise verwendeten, fällt auch noch die Verwendung von Magneten als Werkzeug flach. Es war also kein Zuckerschlecken, die Bremsleitung hinten und die Beleuchtungskabel intern zu verlegen. Bei letzteren war ich eigentlich auch anfangs davon ausgegangen, dass ich sie extern verlege, unter anderem weil ich die Bohrung unten an der Gabel gar nicht als Kabelausgang interpretiert hatte. Das hat sich am Ende gerächt.

Spaß macht mir Löten, Crimpen und Gefummel mit dem vorderen Halter von SON auch nicht, aber was muss, das muss. Dummerweise hieß das auch zweimal löten, weil sich das Kabel der ursprünglichen blauen Lampe als definitiv zu kurz herausstellte. Die Kombination aus interner Verlegung mit Kabelausgang nah an der Achse, dem starren und recht langen Koax-Stecker und Federgabel-Bauhöhe war zu viel, aber das gab mir immerhin einen Anlass, das nicht zu 100 % passende Blau der Lampe durch Schwarz zu ersetzen.

Für die Außenverlegung hätte es gereicht, das hatte ich vor Bestellung so abgemessen – so ganz blöd bin ich ja auch nicht. Und nur um mich zu ärgern, funktionierte die Beleuchtung nicht, nachdem ich alles zusammengebaut und die Frontlampe mit Reflektor und Ringkabelschuh der Hecklampe in den Halter gewürgt hatte. Das ist wirklich eine suboptimale Konstruktion. Mit gelöstem Steckverbinder des Rücklichts leuchtete immerhin der vordere Scheinwerfer, eingesteckt ging gar nichts. Mit der Befürchtung, die Polarität vertauscht zu haben, habe ich also wieder alles aus dem Halter entnommen, im Grunde nichts getan außer doof zu schauen und plötzlich war auch hinten das Licht an. Immerhin blieb es dabei auch, nachdem ich alles wieder in den Halter gezwängt hatte.

Das waren aber nur harmlose kleine Geduldsproben. Beim Schreiben habe ich anhand der Daten von Bestellungen, der Bilder auf der Waage und Chatprotokollen versucht zu rekonstruieren, wie der Aufbau voran ging und das weckte fast die Tallboy-PTSD wieder ein bisschen. Ich hatte die Teile Anfang Dezember 2024 und bis Mitte des Monats sogar die Laufräder schon fertig. Dann streckte mich mal wieder das Corona-Virus nieder und das nächste Lebenszeichen des Rades waren die Bilder von Bremsen und Schaltzügen Ende Februar. Ich erinnere mich, dass das Rad damit auch fahrbereit gewesen wäre.

Was also im Endeffekt über ein Jahr gedauert hat, war das Anpassen der Schutzbleche, die zwei selbst geschnitzten Halter sowie die Montage der Lampen. Von März über den ersten Sturz Mitte Mai und über Sommer bis zum zweiten Sturz Ende August passierte gar nichts, obwohl ich nicht wirklich viel auf dem Bike saß. Es war schon ein recht gebrauchtes Jahr, dieses 2025.

Ich habe zwar relativ häufig bei Whatsapp sowas geschrieben wie „ich muss jetzt wirklich das Veloheld mal fertig machen“, aber die zündende Idee für die Schutzblechmontage hatte ich meiner schwammigen Erinnerung nach erst im Herbst. Da hatte ich das Zweit-Works gerade fertig, dessen Teile ja auch ein halbes Jahr gegärt hatten, und nach den gebrochenen Rippen wieder mit Radfahren angefangen.

Immerhin kann ich sagen, dass mich ab da vor allem das Biken abgehalten hat und ich andere Fahrrad-Projekte erfolgreich zum Abschluss gebracht habe: Meinem Schwager habe ich ein Custom-Bike gebaut, drei der Gästeräder sind fertig geworden, dazu gesellten sich weitere kleine Schraubereien an Fremdrädern. Wahrscheinlich musste ich erst genug Momentum aufbauen, um mich an das undankbare Gefrickel zu machen, das es zur Fertigstellung noch gebraucht hat.

Wie es sich fährt

Es ist zu lange her, dass ich mit dem Airwolf gefahren bin, um jetzt ernsthafte Vergleiche zwischen Carbon und Stahl anzustellen, zumal das Veloheld noch dickere Reifen mit deutlich weniger Druck drauf hat. Ich fühle mich dennoch ganz ordentlich durchgeschüttelt im Vergleich zum 1120 und Zweit-Works, mit denen ich in den letzten Monaten unterwegs war. Den Mythos vom komfortablen Stahl lasse ich daher mal unkommentiert.

Was ich definitiv sagen kann: Die Geometrie des Rahmens mit der federwegskorrigierten Gabel ist eher auf der laufruhigen Seite im Vergleich zum Airwolf oder gar Stumpi und weckt Vertrauen, das ich in die Reifen noch gar nicht habe. Die Sitzposition ist im Vergleich zu meinen Epic EVOs minimal entschärft. Die erste Ausfahrt ging über 5 Stunden und 100 km und ich denke, darauf lässt sich aufbauen.

Und auch wenn es sich nicht wahnsinnig spritzig anfühlt beim Beschleunigen oder an kleinen Rampen, scheint es doch recht flott zu rollen. Mehr so im Vorbeifahren habe ich meine Garmin-Bestleistung für 40 km um ein paar Sekunden verbessert, die ich auf derselben Strecke mit dem Airwolf mal aufgestellt hatte.

Updates

Hier fasse ich die Updates zusammen, wie sie auch in der Teileliste zu sehen sind:
24.04.2026: Erstaufbau

Eine Anmerkung an dieser Stelle, wie die Teileliste zu lesen ist: Die Änderungen zu einem Datum sind immer in dem Tabellenblatt mit dem vorhergehenden älteren Datum in den Spalten H „Neues Teil“ und I „Geplantes Gewicht“ zu finden.

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