Nach den Kettenblättern möchte ich heute ein weiteres Teil des Antriebs präsentieren, das ebenfalls erstmal „auf Bewährung“ montiert wird: das Reset HollowLite Innenlager. Zur Erklärung muss ich mal wieder etwas weiter ausholen.

Leider wurden die Shimano-Innenlager mit dem Umstieg auf Hollowtech II nicht besser als ihre Vorgänger. Galten die XT- und XTR-Vierkantlager trotz ihres leichten Laufs noch als unzerstörbar, führten Shimano und Konsorten nach einer kurzen Phase mit Vielzahnachsen (Octalink und als Konkurrenz-Standard ISIS)  größere Wellendurchmesser und außenliegende Kugellager ein, weil die Magazine nach immer mehr Steifigkeit schrieen.

Weil nun Lager und Welle nicht mehr eine untrennbare Einheit sind und die Gewinde im Rahmen gewisse Toleranzen aufweisen, haben die außenliegenden Lager mehr Widerstand als die alten Patronenlager. Es ließe sich vortrefflich drüber streiten, ob man das im Fahrbetrieb merkt und ich will mich ohne wissenschaftliche Messreihen nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen. Ein ungutes Gefühl bleibt aber, wenn man zwei Kurbeln mit den beiden unterschiedlichen Lagerkonzepten anstößt und die HT II Kurbel deutlich früher wieder stillsteht.

Ein weiteres Problem, das ich nicht als bauartbedingt bezeichnen würde, sind die Dichtungen. Gedichtete Rillenkugellager und eine Plastikabdeckung sollen ausreichenden Schutz gegen Schmutz und Wasser bieten, tun dies aber oft nur unzureichend. Berichte über nötige Wechsel im Halbjahresrhythmus scheinen je nach Fahrleistung und Affinität zu widrigen Bedingungen nicht allzu unglaubwürdig. Auch mein XTR-Lager war zu meinem Erstaunen einige Wochen nach dem Ausbau aus dem alten Rahmen auf einer Seite festgerostet und drehte sich nicht mehr.

Bei Shimano ist als dritter Negativpunkt noch dazu das Wechseln der Kugellager nicht (mehr) möglich, seit Shimano die Lagerschalen so gestaltet hat, dass kein Abzieher das Lager mehr zu fassen kriegt. Man möge mich bitte korrigieren und mir das defekte Lager auspressen, wenn es doch noch irgendwie geht. Immerhin bekommt man mit rund 20 Euro für ein komplettes XTR 970 Innenlager noch recht günstig Ersatz.

Abhilfe soll deutsche Ingenieurskunst schaffen, in diesem Fall von Reset. Das HollowLite Innenlager ist in sagenhaften neun Farben, zwei Versionen für Shimano (und sämtliche Kurbeln mit 24mm-Welle) und SRAM/Truvativ sowie für unterschiedliche Rahmen (BSA, BB30, Klein) erhältlich.

69,0g zeigt die Waage für die Shimano-BSA-Variante an, wenn man dank geschlossenem Tretlagergehäuse die Hülse weglassen kann und nur einen Spacer (73mm Gehäusebreite, kein E-Type-Umwerfer) benötigt. Die Aufnahme für das Montagewerkzeug ist im Innern der Lagerschalen versteckt, wer den alten Patronenlagern nachtrauert darf hier immerhin wieder das alte Werkzeug benutzen. Diese Bauweise sorgt für etwa 13g Ersparnis zur XTR. Das allein rechtfertigt den Preis sicher nicht, aber die Lager lassen sich leicht wechseln und die Abdichtung scheint recht ordentlich. Von den blauen Dichtungen ist im montierten Zustand selbstverständlich nichts mehr zu sehen.

Beim gegenwärtigen Wetter wäre ein erster Härtetest schon drin, aber leider lassen ja noch manche Teile auf sich warten. Die Rennsaison wird dann zeigen, ob das Reset HollowLite eine sinnvolle Alternative zu Shimano darstellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Please leave these two fields as-is: