Wenn ich beruflich oder privat mit meinen umfangreichen Texten auf die Fragen nach dem Service für Gabeln oder Dämpfer von Rock Shox antworte, dann ergeben sich oft Folgefragen: Muss ich jetzt wirklich einen Liter von Öl X kaufen? Ich habe noch Fett Y, kann ich das nicht auch nehmen?

In diesem Artikel will ich diese Fragen erschlagen, damit ich im Vorhinein darauf verlinken kann. Dadurch kann ich die eigentlichen Texte für die einzelnen Dämpfer und Gabeln schlank halten, es sollten trotzdem alle Unklarheiten beseitigt sein und ich spare Zeit bei der Bearbeitung.

In meinen Texten verweise ich nur auf die Angaben von Rock Shox aus den jeweiligen Ölstandsdokumenten. Dabei habe ich die offensichtlichen Fehler entfernt, die Angaben mehrerer Jahre abgeglichen und auf Plausibilität untersucht. Manchmal schwanken die Mengen zwischen Modelljahren gleicher Baureihen geringfügig, da bin ich bei den zum Zeitpunkt des Verfassens jüngsten Angaben geblieben.

Aus beruflicher Sicht will ich mich einerseits absichern und andererseits verhindern, dass ihr die Garantie verliert, weil der SRAM-Service blaues Fox-Fluid in der Luftkammer sieht. Vielleicht haben die da auch einen alten Werkstattmeister, der den kleinen Finger ins Öl steckt wie der Kommissar im Tatort ins weiße Pulver, und dann direkt am Geschmack sagen kann, dass das nicht das originale ist, wer weiß das schon.

Aus privater Sicht will ich einfach keine Diskussionen führen, was irgendwer irgendwo im Internet aufgeschnappt hat oder worauf der Bruder vom Kumpel vom Schwager schwört – wenn ihr Muttis Bratensoße in die Gabel kippen wollte, weil das dann so lecker riecht, nur zu, aber lasst mich damit in Ruhe. Was ich von Sprühzeug halte habe ich ja hier schon geschrieben, was eine andere Federgabel nicht zersetzt wird wohl auch einer Rock Shox nichts anhaben – ich will und werde darüber aber nicht spekulieren oder diskutieren, ich konzentriere mich hier nur auf Rock Shox.

Trotzdem verstehe ich natürlich, dass nicht jeder zig Sorten an Öl und Schmiermittel vorhalten will, insbesondere wenn es mehrere Gabeln aus unterschiedlichen Jahrgängen zu warten gilt. Deswegen gebe ich hier meine Einschätzung der originalen Schmiermittel von Rock Shox im Laufe der Jahre wieder.

Gabeln

Stahlfedern/Elastomere

Stahlfedern und Elastomere können beim Einfedern geringfügig wegknicken und mit dem Standrohr in Berührung kommen. Deswegen sollte man sie fetten, damit es nicht zu erhöhter Reibung oder im Falle der Stahlfedern sogar zu Kratzern kommt.

Judy Butter war früher das Mittel der Wahl bei Rock Shox, heute wird PM600 oder SRAM Butter empfohlen.

Mein Tipp: Eher PM600 nehmen, das ist nach meiner Erfahrung klebriger und zäher als die SRAM Butter.

Luftfeder

Historisch betrachtet dürfte es hier auch mit Judy Butter losgegangen sein, aber soweit zurückreichen meine gesammelten Dokumente nicht. Danach kamen Red Rum (bis ca. 2004), 15er Gabelöl (ab ca. 2005), PM600 (ab ca. 2010), SRAM Butter (ab ca. 2014), dann mal 5er Gabelöl (ab 2016, nur einige Gabeln) und ab 2020 werden Rock Shox Dynamic Seal Grease plus Gabelöl 0W-30 für die teuren sowie PM600 oder SRAM Butter plus Gabelöl 5Wt für die günstigeren Gabeln empfohlen.

Nehmen wir mal die günstige 30 Gold als Bäumchen-wechsel-dich-Kandidaten:

  • 2014 gemäß Oil Charts gar nichts, laut Service-Anleitung SRAM Butter oder PM600
  • 2015-2016 gemäß Oil Charts „Grease“, laut Service-Anleitung SRAM Butter oder PM600
  • 2017 5Wt 3-6ml
  • 2018 PM600
  • 2019 5Wt 5ml
  • 2020 5Wt 2ml + PM600 oder SRAM Butter

Natürlich hat Rock Shox nicht jedes Jahr die Dichtungen dieser Einsteiger-Gabel geändert oder irgendwas optimiert – 2018 könnte zum Beispiel auch einfach ein Fehler des Marketing-Praktikanten beim Copy&Paste sein. Insofern könnt ihr davon ausgehen, dass keines der genannten Schmiermittel schadet, ihr könnt also durchaus nehmen, was ihr im Haus habt. Ich würde dennoch von reiner Ölschmierung abraten, das Öl wandert dann nach meiner Erfahrung recht schnell in die Negativkammer.

Mein Tipp: Rock Shox Dynamic Seal Grease + 2-3ml 0W30 für höchste Performance, eines der anderen Fette + 2-3ml Gabelöl, wenn die Ansprüche nicht die höchsten sind.

Dämpfung

Ich habe ja weiter oben schon geschrieben, dass ich nicht auf andere Hersteller eingehe, aber bei der Dämpfung möchte ich nochmal ausdrücklich davon abraten irgendwelches Dämpfungsöl zu nehmen – entscheidend für die Dämpfungswirkung ist die physikalische Viskosität im üblichen Temperaturbereich der Anwendung, nicht was als W oder Wt auf dem Öl draufsteht, das ist mehr oder weniger eine herstellerinterne Bezeichnung.

Bis auf wenige Ausnahmen, die 10er, 15er oder gleich den ganzen Bereich von 5 bis 15 Wt je nach Fahrergewicht nutzten, war 5Wt das Standard-Dämpfungsöl. Die Charger-Dämpfer mit Bladder ab 2014 und die Charger-RC/RL-Dämpfer mit federvorgespanntem Trennkolben ab 2019 benötigen 3Wt. Statt des als Rock Shox gelabelten Öls kann man auch das Maxima Plush mit gleicher Viskosität nehmen, das ist die neuste Empfehlung.

Mein Tipp: Herstellerangabe und gut ist, wenn möglich Maxima Plush. Für die Anpassung an sehr leichte oder sehr schwere Fahrer besser einen Tuner um Shim-Tuning bitten, als selbst mit dem Öl zu experimentieren.

Schmierung in den Tauchrohren

Das bezieht sich natürlich nicht auf die Gabeln mit offener Dämpfung, bei denen das Dämpfungsöl im rechten Tauchrohr war wie z.B. HydraAir.

Mehrheitlich 5Wt mit Ausnahmen (Red Rum, 15Wt) bis 2004, mehrheitlich 15Wt mit Ausnahmen (5Wt) bis 2007, 2008-2013 ausschließlich 15Wt und ab 2014 beginnend mit der Pike nach und nach 0W-30 bei den abfahrtslastigeren Gabeln sowie ab 2020 der SID – hier gab es keine ganz so wilden Wechseleien.

Mein Tipp: 0W-30 für höchste Performance, was da ist, wenn es nicht so drauf ankommt. Menge wie angegeben, da die Gabel bei Überfüllung des Castings hart anschlagen und möglicherweise beschädigt werden könnte.

Schmierung in den Staubabstreifern

Üblicherweise wurde empfohlen, die Schaumstoffringe in dasselbe Öl einzulegen, wie es für die Tauchrohrschmierung verwendet wurde.

In den meisten Service-Anleitungen (ich habe nicht alle analysiert) wird zusätzlich das Einbringen von Fett unter der Staubabstreiferlippe propagiert, ohne näher darauf einzugehen, welches – neue Staubabstreifer kommen aber in der Regel schon mit Fett ab Werk. 2013 wurde explizit ein Fett namens Buzzy’s Slick Honey empfohlen, ab 2014 war es dann SRAM Butter, ab 2021 wird es dann etwas wilder – bei Boxxer und Lyrik/Yari ist noch SRAM Butter zu sehen, bei der SID ist es Dynamic Seal Grease während im Text jeweils nur von „Grease“ die Rede ist. Na ja, wahrscheinlich wollten sie nicht alle Bilder nochmal neu machen, nur bei der neuen SID war das ja sowieso notwendig.

Mein Tipp: Für die Schaumstoffringe 0W-30 für höchste Performance, was da ist, wenn es nicht so drauf ankommt. Darüber SRAM Butter, weil die mehr oder weniger farblos ist – grünes Dynamic Seal Grease an den Standrohren passt jedenfalls nicht in mein Farbkonzept.

Unbewegte Dichtungen

Es gibt Dichtungen in der Gabel, die keine Bewegung vollführen, so zum Beispiel in der TopCap auf der Luftseite, die äußeren O-Ringe der Druckstufe und des Zugstufendichtkopfes bei MotionControl und TurnKey. Hier kommt es nicht auf besondere Gleitfähigkeit des Schmiermittels an.

Mein Tipp: Wenn vorhanden, dann PM600 nehmen, weil es am klebrigsten ist, ansonsten nehmen was da ist.

Dämpfer

Luftkammer

So richtig spezifisch wurde es ab 2011: Maxima Maxum4 Extra 15W50 ist seither das empfohlene Schmieröl, von dem winzige Mengen in Haupt- und Negativkammer eingebracht werden – 0,5ml pro Kammer sind es häufig nur. Passenderweise bekam man das Öl lange nur in der Literflasche.

Im Gegensatz zu einem Gabelkolben, der ja halbwegs waagerecht steht, kann es sein, dass der Kolben im Dämpfer vertikal steht. Schmierung über ein Bad ist da schwierig. Deswegen soll wohl die Schmierung hier eher über das Zerstäuben des Öls beim Absinken des Drucks im Inneren beim Ausfedern (Hauptkammer) bzw. Einfedern (Negativkammer) und Anhaften des Öls an den Gleitflächen schmieren. Dazu ist die Haftfähigkeit des Öls wichtiger als bei der Federgabel und anscheinend ist das Maxima Maxum4 Extra 15W50 genau das, was Rock Shox sich vorgestellt hat.

Mein Tipp: Maxima Maxum4 Extra 15W50, wenn ein Tütchen im Service-Kit enthalten ist, ansonsten irgendein Öl aus dem Rock-Shox-Sortiment nehmen, was du bereits hast – alles besser als nichts.

Bewegte Dichtungen und Staubabstreifer

Wegen des unterschiedlichen Aufbaus von Gabeln und Hinterbaudämpfern möchte ich alle bewegten Dichtungen und den Staubabstreifer, der etwas einfacher ohne Schaumstoffring aufgebaut ist, in einem Aufwasch abhandeln.

Früher hat Rock Shox zum Teil Judy Butter empfohlen, zum Teil Dichtungen nur mit Öl geschmiert einbauen lassen. Für die jüngeren Baureihen sind die Angaben relativ schnell abgehandelt: Parker O-Lube für Vivid (Air), alle anderen nutzen seit dem ersten Monarch 2008 Dynamic Seal Grease.

An der Stelle vermute ich natürlich einen triftigen Grund, dass weder PM600 noch SRAM Butter jemals für Dämpfer empfohlen wurden. Ich könnte mir vorstellen, dass Hitzeempfindlichkeit eine Rolle spielt, denn ein Dämpfer wird auf längeren Abfahrten auch mal mehr als handwarm, vielleicht sind da die beiden anderen Standard-Fette weniger geeignet.

Warum dann noch die Unterscheidung? Ich weiß es nicht, ich hatte auch persönlich nie Kontakt mit einem Vivid-Dämpfer. Es gibt 2g-Beutel von diesem Fett zu kaufen, also sehe ich persönlich keinen Grund etwas anderes zu verwenden.

Unbewegte Dichtungen

Der O-Ring, der die Luftkammer zum Gehäuse hin abdichtet, bewegt sich zum Beispiel nicht. Es gilt exakt das gleiche, was ich oben geschrieben habe.

Dämpfung

Es gilt exakt das gleiche, was ich zur Dämpfung in der Federgabel geschrieben habe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Please leave these two fields as-is: