Wer Park Tool liest, weiß sofort: Es geht um hochwertige Werkzeuge. Heute möchte ich meine Erfahrungen mit einem Exemplar schildern, das man vermutlich recht selten in privaten Werkstätten findet: Ein Messgerät für die Vorspannkraft der Speichen.

Nach einigen Laufrädern, die ich auf eine neue Felge umgespeicht habe, baue ich seit dem Extralite meine Laufräder komplett selbst. Natürlich kommt man nicht auf riesige Zahlen, wenn man nur für sich selbst und im Freundeskreis einspeicht: Gerade mal 5 Laufradsätze habe ich seither neu eingespeicht, und über deren Qualität ließe sich streiten. Sinn dieses Tests ist es daher, herauszufinden ob ein Messgerät wie das TM 1 dabei hilft, bessere Laufräder zu bauen und für wen er sich lohnt.

Theorie

Ein gutes Laufrad zeichnet sich nicht bloß dadurch aus, dass sein Rundlauf besonders gut ist. Dauerhaft rund bleibt ein Laufrad erst dann, wenn es eine besonders gleichmäßige Speichenspannung besitzt. Natürlich muss auch die Höhe der Spannung richtig dosiert sein – ist sie zu niedrig, kann die Speiche in der Druckphase Spiel im Nabenflansch bekommen, was den Speichenkopf recht schnell tötet, ist sie zu hoch, können Nabenflansch, Nippel oder Felge Schaden nehmen, insbesondere wenn es sich um Leichtbauteile handelt. Auch das Fahrverhalten hängt über die Steifigkeit mit der Speichenspannung zusammen. Ein Messgerät soll helfen, ein Laufrad mit korrekter und homogen verteilter Speichenspannung aufzubauen.

Preis

Die UVP beträgt 99,95€, allerdings findet man das Tensiometer auch schon ab etwa 85€ in deutschen und ab 60$ in amerikanischen Online-Shops. In letzterem Fall muss man aber die Gesamtkosten individuell berechnen, weil weitaus höhere Versandkosten und unter Umständen Zoll und Mehrwersteuer fällig werden – ob sich das dann noch lohnt, muss jeder für sich selbst ausrechnen.

Lieferumfang

Das Park Tool TM 1 kommt im stabilen Pappkarton mit Bedienungsanleitung und einer Tabelle, um den Anzeige-Wert in Abhängigkeit von der Speichendicke in eine Vorspannkraft umzurechnen. Die Tabelle ist aus dickem Papier und in Folie eingeschweißt, damit man die typischen Spuren des Werkstattalltags einfach abwischen kann. Leider fehlt in der Auflistung diverser runder und flacher Speichen ein wichtiges Maß, nämlich die 2,3mm x 0,9mm der aktuellen Aerospeichen wie DT Aerolite und Sapim CX-Ray.

Handhabung

Die Handhabung ist simpel und selbsterklärend: Man drückt die Feder des Messgerätes über den Handgriff zusammen und legt es an die Speiche an. Wenn man dann den Handgriff loslässt, wird die Speiche durch die Federkraft verbogen und man kann den Wert für die Spannung ablesen. Das sieht dann etwa so aus:

Misst man zweimal hintereinander, offenbart sich gleich ein grundsätzliches Problem: Die Abweichung zwischen zwei Messungen beträgt gern mal einen halben Skalenteiler. Die Kennlinie der Feder scheint auch nicht linear zu sein, das heißt ein Unterschied von einem Skalenteiler bedeutet bei weich und hart gespannten Speichen etwas völlig anderes. Eine Abweichung von etwas unter einem Skalenteiler habe ich beim Testlaufradsatz hinbekommen, während der Referenzlaufradsatz, den ich nur nach Gefühl aufgebaut hatte, bei etwa gleicher Speichenspannung um etwas mehr als zwei Skalenteiler streute.

Fazit

Wer schon etwas Erfahrung beim Zentrieren gesammelt hat und nun selbst anfangen möchte einzuspeichen, ist mit dem Park Tool TM 1 gut bedient. Ich selbst werde ihn weiterhin benutzen, weil ich zu selten Laufräder baue, um die Speichenspannung nach Gefühl so homogen einzustellen. Sehr erfahrene Einspeicher schaffen eventuell nach Gefühl ein besseres Ergebnis als mit dem TM 1 oder bedienen sich der weitaus teureren Geräte von DT.

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