Vor vier Jahren habe ich im ersten Teil die wichtigsten Aspekte des sich damals rasant ausbreitenden 2fach-Antriebs beleuchtet. Das Thema ist mittlerweile scheinbar erledigt, aber bevor ich mich der Flut an 1fach-Systemen widme, habe ich noch ein paar aktuelle Anmerkungen.

Große Laufräder

Damals war 26″ die Standard-Laufradgröße, schön zu sehen z.B. am Hardtailsortiment von Specialized – 7 von 9 Stumpjumper HT waren 2010 noch 26er. Mittlerweile ist die kleine Laufradgröße de facto von 27,5″ und 29″ abgelöst worden. Den größeren Umfang muss man natürlich über den Antrieb kompensieren, so dass heute die Kettenblattabstufungen 38-24 und 36-22 gefühlt am häufigsten verbaut werden.

Wer auf die größeren Räder umrüstet und dabei seinen Antrieb behalten will, sollte die kleinstmögliche Übersetzung der Kurbel im Auge behalten – neue Blätter oder eine neue Kurbel könnten nötig sein.

Aussterbende Kettenblatt-Standards

Im Zuge dessen wurde gleich bei beiden großen Schaltungsherstellern deutlich, dass ihre neuen Kettenblattstandards schon wieder zum Aussterben verdammt waren. Weder SRAMs 120mm/80mm noch Shimanos 88mm Lochkreis lassen genügend kleine Kettenblätter zu, um oben genannte Übersetzungen zu montieren. Gleiches gilt für die unseligen FSA-Standards 386 (3Arm mit 86mm) oder die seltene 4Arm-Variante mit 94mm Lochkreis.

Shimano hat – meiner Meinung nach wahrscheinlich relativ kurz vor Präsentation der 980er XTR – noch eine 2fach-Kurbel auf Basis der FC-M980 3fach-Kurbeln mit 104mm/64mm und 38-26 nachgeschoben und die 2fach-Varianten der später folgenden XT und SLX gleich mit dem althergebrachten Lochkreis gebaut. Die Verringerung des Sprungs zwischen den Blättern, ein Hauptmerkmal des 10fach DynaSIS Antriebs, hat man auch hier zum Teil durchgezogen (40-28, 38-26), wobei ich mich nicht erinnern kann an einem Komplettbike etwas anders als 38-24 gesehen zu haben.

SRAM dagegen hat die XX-Kurbel seit Vorstellung nicht überarbeitet, in den günstigeren Gruppen haben die 104mm/64mm-Versionen den größeren Lochkreis ziemlich flott wieder abgelöst. Sollte die XX ein Update bekommen, ist wohl damit zu rechnen dass die bisherige einteilige Antriebsseite durch den XX1/X01/X0-Kurbelarm mit wechselbarem Spider ersetzt wird.

Egal wie günstig sollte man um Kurbel mit den genannten Lochkreisen besser einen großen Bogen machen. Neben der begrenzten Möglichkeit zu kleineren Kettenblättern wird die Zahl der Nachrüstblätter so langsam abnehmen. Eine herkömmliche 2- oder 3fach-Kurbel mit 104mm/64mm ist definitiv eine bessere Basis.

Differenz der Zähnezahlen

Shimano hat beim 10fach-Antrieb eine Differenz von 12 Zähnen zwischen den beiden Kettenblättern eingeführt und bietet maximal 14 Zähne an, bei SRAM entspricht letzteres dem Standard.

Endlose Forendiskussionen drehen sich allerdings um die Schaltbarkeit von 38-22, 36-20 oder noch größeren Sprüngen. Ich erinnere mich an einen Thread mit der Frage nach der Realisierbareit von 42-24, was nur zur Erinnerung mit einem 32er dazwischen die Abstufung aktueller Shimano-3×10-Kurbeln ist.

Solche Abstufungen >14 Zähne Differenz sind aus mehreren Gründen suboptimal:

  • Umwerfer schaffen diesen Sprung nur mit Mühe.
  • Auf kleinem Blatt und kleinen Ritzeln schleift die Kette mitunter am Verbindungssteg zwischen den Umwerferleitblechen, weil die Umwerferhöhe vom großen Blatt vorgegeben wird.
  • Die Schalthilfen des großen Blattes sind auf eine festgelegte Zähnezahl optimiert, kleinere Blätter auf der inneren Position führen zu merklichen Einbußen beim Schaltverhalten (siehe z.B. die zwei verschiedenen 38er Blätter der XT für 38-26 und 38-24).
  • Beim Schalten vorne muss man hinten mehrere Ritzel gegenschalten, wenn man nicht in einem deutlich schwereren oder erheblich leichteren Gang landen will.

Sinn oder Unsinn

Heute steht nicht mehr so sehr die Umrüstung auf 2fach im Fokus, da im Vergleich zu 2010 schon extrem viele Räder mit 2×10 ausgestattet werden. Es geht eher um das Arrangieren mit der geringeren Gesamtübersetzung und deren Verschiebung in den gewünschten Bereich. Es gilt aber nach wie vor, dass man einfach selbst testen und ausrechnen muss, was man benötigt.

2×11 von Shimano wird die Bandbreite weiter ansteigen lassen, sofern man es bei der Kurbel nicht beim serienmäßigen Sprung von 10 Zähnen belässt. Wer bis dahin nicht warten kann, kann auch mit dem Kompromiss deutlich größerer Gangsprünge auf die eigentlich für 1×10-Antriebe gedachten 40er oder 42er Ergänzungsritzel zurückgreifen, sofern das vorhandene Schaltwerk damit zurechtkommt.

Mehr Bandbreite geht weiterhin nur mit 3fach. Wenn das nicht in Frage kommt, weil es eine wirkungsvolle Kettenführung ausschließt, bleibt als Alternative beim Neukauf eines Rades noch Pinion.

2 Kommentare zu “Alles über 2fach – Teil 2

  1. Hallo Eddie,
    ich habe mal doch ne Frage zu 2/3 Fach und du scheinst ja Erfahrung zu haben, u.a. bezüglich der Geländebeschaffung SIS last Grüßen ich bin seit 2008 dabei. Zur Zeit baue ich mir ein 29 HT auf. Jetzt stellt sich mir die Frage ob 3fach wie bisher oder 2fach. Bin jetzt nicht unbedingt der Man mit den dicken Oberschenkeln eher frequentiert. Meine Trainingsrunde in den Pfälzer Wald geht erst mal 12 KM Flach und dann gehts rauf zum Bismarkturm mit zw. 5-15 % Steigung. Bin bis dto. auf 26″ und mit 3×9 gefahren. Danke Dir im Voraus. VG Joerg

    1. Jede Zeile meines Beitrags schreit „Verdammte Axt, rechne und probiere es aus!“ Anstatt über Geländebeschaffenheit und deine Beine zu labern hättest du als einzig sinnvolle Information mal deine Übersetzung durchgeben können, dann hätte ich das Rechnen für dich übernommen.

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